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Aus erster Hand erfahren wie Fairer Handel funktioniert: Produzenten zu Gast im Weltladen

Zur Fairen Woche, Ende September, berichteten Kleinunternehmer aus Ecuador und Kolumbien im Herborner Weltladen über ihre Arbeit. Im Rahmen des diesjährigen Ökomarktes besuchten die Bananenproduzenten Yhony Yanzaguano und Marcelo Matute vom ecuadoriansichen Bauernverband Urocal Herborn. Eine ebenso weite Reise hatte der Schmuckproduzent Omar Hurtado aus Bogota/Kolumbien hinter sich, der Schmuckstücke nach präkolumbischem Vorbild fertigt.

Gerade für Kleinbauern und Kleinproduzenten von Kunsthandwerk ist es schwer, ihre Ware international oder auf dem Binnenmarkt zu vermarkten. Um die Kräfte zu bündeln, schließen sich viele Kleinbauern zu Bauernverbänden oder Genossenschaften zusammen.

Der vorgestellte Bauernverband UROCAL wurde 1973 gegründet, etwa 120 Familien haben sich im Verband organisiert und bewirtschaften nach einer Landreform etwa jeweils 8 Hektar Land in Mischkultur. Neben Bananen gedeihen auf ihren Feldern Kakao, Nutzholzbäume, Zitrusfrüchte und Gemüse, die strenge Naturland-Standards erfüllen. Der Bananenanbau erfolgt ganzjährig und in Handarbeit, wobei eine Staude erst nach etwa neun Monaten Früchte trägt. Die nachhaltige Bewirtschaftung wirkt sich positiv auf den Geschmack der Bananen aus, die deutlich aromatischer sind als konventionell angebaute Früchte. Die Düngung der Bananenstauden erfolgt durch Bananenblätter, Kakaoschalen und Schlingpflanzen, die den Boden nitrathaltig machen und die Feuchtigkeit halten. Unkraut wird von Hand beseitigt.

Pro Hektar können im biodiversen Anbau 18-20 Kisten Bananen erwirtschaftet werden – im konventionellen Anbau sind es 50 Kisten. Während im konventionellen Anbau die Tüten, die beim Wachstum der Bananen zum Schutz vor Schädlichen um die Bananenstauden gelegt werden mit Insektiziden imprägniert sind – kommen auf den Plantagen von Urocal unbehandelte Säcke  und beispielsweise ätherische Öle zum Einsatz.

Den Vertrieb der fair gehandelten Bananen in Deutschland organisiert seit 1998  Banafair. Diese langfristige Zusammenarbeit sichert den Bauern von Urocal eine feste Einkommensquelle über dem Weltmarktpreis. Die Fair Trade Prämie ermöglicht  unter anderem die Verbesserung der Pflanzenvielfalt in Mischkultur und Agroforstsystem.  Investitionen in  Gemeinschaftseinrichtungen können damit getätigt werden, seien es bauliche Verbesserungen für Versammlungsräume, Waschbecken für die Bananen, Essensräume, Toiletten, Abwassersysteme, Plastiksammelstellen oder für die Herstellung von Bio-Düngern u.a.m.

Bonuszahlungen an die Beschäftigten werden für Gesundheitsvorsorge und

Arztbesuche eingesetzt.  Auch Schulutensilien werden damit finanziert, Fortbildungskurse in Anbautechniken und Arbeitsschutz angeboten sowie

Weihnachtspräsentkörbe an die Produzentenfamilien und Arbeiter ausgegeben.

und Arbeitsschutz durchgeführt. Teile der Prämie werden auch für die Siegelkosten, ohne die ein Vertrieb im Fairen Handel nicht möglich wäre, eingesetzt.

Ein zweiter Vortrag mit Produzentenvertreter Omar Hurtado aus Bogotá führte interessierte Zuhörer ein in die filigrane Goldkunst der Goldschmiede der präkolumbianischen Kulturen der Sinú, Calima, Nariño, Quimbaya und Tairona. Sie galten als Meister ihrer Kunst und genossen einen besonderen Status in der Gesellschaft.

In seiner Werkstatt Precolombian S.A.S. in Bogotá arbeiten zwölf Frauen und Männer für einen fairen Lohn zu flexiblen Arbeitszeiten. Sie fertigen Replikate des Muséo del Oro in Bogotá.  Im Museo del Oro in Bogotá sind einige der berühmtesten Gegenstände südamerikanischer Kulturen aus vorspanischer Zeit ausgestellt. Gold galt in präkolumbischer Zeit als eine Brücke zu den Göttern und durfte nur von Priestern und anderen Führungspersönlichkeiten getragen werden.

Von den Originalen inspiriert ist der Goldschmuck den der Goldschmied Omar Hurtado für die edén-Kollektion des Handelspartners GLOBO herstellt, in dem Museum erlernte von der Pike seine Handwerkskunst. In der kleinen Werkstatt  arbeiten zwölf Frauen und Männer für einen fairen Lohn zu flexiblen Arbeitszeiten. Beiträge für die Kranken- und Rentenversicherungen sowie Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit werden vom Betrieb gezahlt. In den Schulferien haben die vorwiegend alleinerziehenden Angestellten die Möglichkeit ihre Kinder in die Werkstatt mitzubringen, falls keine andere Betreuung möglich ist. Für das Herstellen der mit Gold galvanisierten Silberschmuckstücke ist viel präzise Handarbeit gefragt: Nicht nur das Design, auch die Herstellungsart ist nah an den Vorbildern aus präkolumbischer Zeit. Auf die Authentizität der Schmuckstücke sind Omar und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders stolz.

Beide Vorträge innerhalb der Fairen Woche, da waren sich Besucher und Vorstand des Herborner Weltladen e.V. einig, boten einen tiefen und überaus spannenden Einblick in die faire Herstellung von  hochwertigen Produkten. Zu zweiten Mal nach 2016 ist es dem Weltladen Team gelungen Fairhandels-Produzenten nach Herborn einzuladen. Auch 2018 sollen wieder Produzenten aus aller Welt willkommen sein.